Interview mit Tobias Naggatz

Tobi Naggatz wirkt oft ruhig und entspannt. Beim Baseball, und vor allem bei den Darmstadt Whippets, verfolgt er aber klare Ziele und verliert den Fokus auf dem Memory Field daher nie aus den Augen. Warum unser Club eine spannende Geschichte bleibt, Baseball auch für Mathefans interessant ist, und man sich bei den Whippets engagieren sollte, erfahrt ihr im ausführlichen Gespräch mit Ihm!




Tobi, bevor wir ins Detail gehen - woher kommt eigentlich deine Liebe zum Baseball?


Baseball ist einfach ein unglaublich facettenreicher Sport mit einer meines Erachtens extrem familiären Community in Deutschland! Egal ob groß, klein, dick oder dünn – für jeden gibt es passende Positionen, auf denen die individuellen Fähigkeiten zum Teamerfolg eingesetzt werden können. Es gibt zu einzelnen Bereichen im Spiel so viele unterschiedliche Ansichten die ihre Vor- und Nachteile haben, sodass man z.B. stundenlang über verschiedene Bewegungen beim Schlagen sprechen kann, ohne dass es langweilig wird oder Argumente doppelt und dreifach kommen müssen. Baseball ist ein Spiel für Athleten aller Art und bietet auch neben den Platz jedem etwas. So kommt auch ein Mathefan auf seine Kosten, da fast alles im Baseball messbar ist und sich somit in Zahlen ausdrücken lassen kann. Es ist einfach für jeden was dabei! Und ganz ehrlich: Es gibt für mich nichts Geileres als einen kleinen Lederball mit einem Holzschläger zu schlagen oder einfach nur soweit man kann auf einer freien Rasenfläche zu werfen!


Wie alt warst Du, als du mit dem Baseballsport begonnen hast, und was war der ausschlaggebende Grund dafür?


Als ich 12 Jahre alt war hat ein Klassenkamerad mich und zwei weitere Freunde zum Schnupper-Baseballprogramm „Play Ball“ mit in den Bürgerpark genommen. Dort haben wir einmal die Woche unter der Leitung von Tobias Englert trainiert und sind zum Abschluss auf ein nationales Turnier nach Köln gefahren. Zwar hatte ich nach dem ersten Turniertag abends im Hotel einen Unfall und konnte am zweiten Tag nicht mehr spielen, aber es war dennoch ein cooles Wochenende! Ein Jahr später habe ich dann meine erste Saison in der Whippets-Jugend gespielt und diese wurde gleich mit dem ungeschlagenen Gewinn der Hessenmeisterschaft und dem 3. Platz bei der Deutschen Meisterschaft in Bonn gekrönt. Ich glaube der frühe Erfolg sowie mein Wissensdurst und Ehrgeiz sind die ausschlaggebenden Gründe, warum ich mich für den Sport entschieden habe.


Du hast ein paar Jahre in Bad Homburg Bundesliga gespielt und dort Erfahrungen gesammelt. Was hast Du aus dieser Zeit mitgenommen?


Insbesondere mein Spielverständnis hat sich deutlich weiterentwickelt. Vor meinem Wechsel nach Bad Homburg habe ich in Dreieich in der Regionalliga gespielt. Das war damals ein riesiger Sprung. Auch habe ich in Bad Homburg verschiedene Positionen gespielt bzw. erlernt. Dabei habe ich neben Martin Matlacki, der heute mit mir gemeinsam als Spielertrainer der Herren fungiert, u.a. auch von den „Imports“ viel gelernt. Einige spielen heute noch in der 1. Bundesliga sowie in ihren jeweiligen Nationalmannschaften und es besteht auch heute noch ein guter Kontakt. Weiterhin ist die 1. Bundesliga nicht nur spielstärker, sondern auch insgesamt deutlich professioneller. Von einem Berufstätigen erfordert die Liga ein hohes Maß an Disziplin, davon habe ich mir auch viel behalten.



Du schaust bei uns ja immer mal wieder beim Nachwuchstraining vorbei und gibst Tipps. Das hat natürlich einen Grund, denn du trainierst bei den Schülern auch die Hessenauswahl. Wie schwer ist es für dich als „Whippet“, hier neutral zu bleiben?


Das ist schon seitdem ich als Hessenauswahl-Trainer 2012 angefangen habe eine Herausforderung. Bei der Hessenauswahl geht es nicht um den Verein oder wie nett einzelne Spieler oder ihre Familien sind. Es geht darum, die bestmögliche Mannschaft aus hessischen Spielern zusammenzustellen und den HBSV (und somit alle hessischen Vereine) auf nationaler Ebene zu vertreten. Dabei unterstützen mich insbesondere Andre Spies, Yves Bendrien (Hünstetten Storm), Christian Ullrich (Main-Taunus Redwings) und Fabian Fermin Hernandez (Bad Homburg Hornets). Durch den Austausch mit den Coaches und meinen Eindrücken aus den Sichtungsmaßnahmen und Auswahltrainings bilde ich mir meine Meinung. Als Trainer habe ich gemeinsam mit Jugendauswahl-Trainer Max Weber alle nationalen Titel im deutschen Schülerbaseball gewinnen können. Dieses Gefühl ist unbeschreiblich! Aus all diesen Gründen fahre ich immer mit dem meiner Meinung nach bestem hessischem Team auf den Länderpokal. Dabei kann es einfach keinen „Vereinsbonus“ geben.


In den letzten Jahren haben wir sehr talentierte Spieler aus dem Nachwuchs hervorgebracht, wo stehen wir deiner Meinung nach aktuell?


Wir sind auf einem sehr guten Weg! Im Jugend-, Schüler- und T-Ball-Alter haben wir einige sehr talentierte Kids. Auch stimmt mich die Anzahl an „Ballern“ insbesondere bei den Schülern und T-Ballern optimistisch für die Zukunft. Jürgen Wagner (Schüler), Jan Kraft (T-Ball) und ihre Coaches machen da einen sehr guten Job! Hier sind wir gut dabei und haben da eine gutes Grundniveau. Meiner Meinung nach müssen wir im nächsten Schritt die individuelle Qualität noch gezielter fördern. Da sind uns in der Spitze andere noch voraus. Aber auch hier gibt es erste Ideen, die jetzt noch in ein praktikables Konzept gebracht werden müssen. Und das Talent ist definitiv da!


Du bist bei den Whippets nun auch einer der Coaches der 1.Herren. Einige Spieler sind wesentlich älter als Du, ist das eigentlich ein Problem?


Ja, das stimmt. Viele aktuelle Spieler waren damals schon im Herrenteam, als ich bei der Jugend war. Der Ablauf ist da reibungslos. Wir pflegen im Herrenteam eine offene Kommunikation und schreiben den Teamgedanken groß. Mir ist wichtig, dass jeder meine Vorstellungen hinter den Ansätzen versteht. Auch besprechen wir Ideen und Ansichten der Spieler, da gibt’s bei Martin und mir keine verschlossenen Türen. Im Geschäftsleben würde man das wohl mit einer engen partnerschaftlichen, lösungsorientierten Zusammenarbeit auf Augenhöhe beschreiben. Ich glaube, dass trägt zum reibungslosen Ablauf einen wesentlichen Anteil bei.


Wie schätzt du unser Team aktuell ein, können wir mit dem aktuellen Kader in dieser Saison oben angreifen?


Ich glaube, dass wird eine sehr spannende Saison. Mit Saarlouis haben wir ein starkes Team neu in die Liga bekommen. Als Absteiger aus der 1. Bundesliga wird das auch am ersten Spieltag ein großer Härtetest zu Beginn. Auch Hünstetten Storm wird dieses Jahr wieder stark sein und wird wohl in Richtung 1. Bundesliga angreifen wollen. Hier freue ich mich für den Verein extrem, dass sie endlich einen eigenen Baseballplatz haben und 2. Bundesligabaseball in Hünstetten austragen können! Da ich 2009 in Hünstetten gespielt habe und die bisherigen Platzverhältnisse kenne, wird das Spiel in Hünstetten sicherlich für mich ein persönliches Highlight im Jahr 2021 sein. Auch Bad Homburg hat dieses Jahr einen guten Eindruck auf mich gemacht und in Mainz haben viele junge Spieler regelmäßig in der 1. Bundesliga gespielt und sich sehr gut entwickelt. Frankfurt habe ich länger nicht mehr gesehen, aber auch hier wurde in den vergangenen Jahren solider Baseball gespielt.

Wir werden in der kommenden Saison auf Max Vetter und Alan Kimbrel verzichten müssen. Max wechselt nach Hünstetten, während Alan zurück nach Amerika geht. Steffen Olschok will dieses Jahr in der Football-Bundesliga angreifen, sodass hinter ihm ein großes Fragezeichen steht. Das sind herbe Verluste. Dennoch haben wir viel Qualität im Kader und nahezu alle Spieler haben sich im letzten Jahr sehr gut entwickelt!

Insgesamt sind nach dem „Sabbatjahr“ 2020 viele Faktoren in einer Blackbox, sodass wir erstmal mit dem Ziel mehr Spiele zu gewinnen als zu verlieren in die Saison starten werden. Das wäre im Umkehrschluss ein solider Platz im Mittelfeld der Liga.


Abseits des Feldes konnten wir in den letzten 12 Monaten einige neue Partner gewinnen, es herrscht generell eine Art Aufbruchstimmung bei uns im Club. Warum sollte man sich deiner Meinung nach bei uns engagieren?


Die Darmstadt Whippets sind ein gut strukturierter, familiärer und engagierter Verein. Wir haben eine sehr starke Nachwuchsarbeit und repräsentieren die Stadt und unsere Partner bundesweit. Auch haben wir eine sehr lukrative Lage, am Memory Field fahren täglich auch während der Covid-19-Pandemie sehr viele Menschen und nehmen unser Gelände dadurch war. Durch unsere Historie und Mitglieder sind wir ein fester Bestandteil des Darmstädter Vereinslebens.




Was fehlt dem Baseball in Deutschland deiner Meinung nach generell um noch populärer zu werden?


Die regelmäßige Präsenz in den bundesweiten Medien. Da hat sich schon vieles positives getan. Das Streamingangebot wird jedes Jahr größer. Auch die Qualität wird immer besser. Mit Max Kepler haben wir einen Deutschen in der MLB, der dort sehr erfolgreich spielt und ein Allstar-Kandidat ist. Die Baseball-EM in Bonn und Solingen wurde europaweit übertragen und war u.a. mit ehemaligen MLB-Spielern besetzt. Auf DAZN werden MLB-Spiele übertragen und teilweise auch auf Deutsch kommentiert. Was im Vergleich zu anderen Sportarten fehlt ist die regelmäßige Berichterstattung im bundesweiten Free-TV.


Vielen Dank für das nette Gespräch Tobi! Wir wünschen Dir weiterhin viel Erfolg! Vor allem aber sind wir froh, dass wir dich mit deiner Expertise im Club haben und Du dich auch für unseren Nachwuchs einsetzt!

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